Schumann in Heidelberg

Heidelberg, 1837, nur wenige Jahre nach dem Aufenthalt Robert Schumanns als Student

I
16 Monate verbrachte Robert Schumann in Heidelberg. Er kam am 21. Mai 1829 als Jurastudent in die Stadt und verließ sie am 24. September 1830 mit dem Entschluss, Künstler zu werden. Dazwischen war er mehrfach auf Reisen gewesen.

Die Entscheidung, Jura zu studieren, war von der Mutter verlangt worden. Der erste Studienort war Leipzig (1828/29), das er mit enthusiastischen Hoffnungen Richtung Heidelberg verließ. Das Jurastudium sagte ihm hier zunächst durchaus zu. Unter den Kommilitonen fand er Freunde, und der Juraprofessor Anton Friedrich Justus Thibaut lud ihn in seinen legendären Singkreis ein. Auch die Landschaft um Heidelberg und die Trinkgewohnheiten der Pfalz beeindruckten ihn.
Schumanns Hauptinteresse galt der Musik. Er saß täglich am Klavier. Die Korrespondenz lässt die Priorität der Musikalien bei den Literaturwünschen erkennen.

Schumann nahm am Thibautschen Singkreis teil und besuchte Konzerte in der Stadt und der weiteren Umgebung. Er spielte Klavier in einigen Privathäusern und hatte am 24. Januar 1830 seinen letzten öffentlichen Auftritt als Pianist mit einem Konzert im Saal der Museumsgesellschaft, bei dem er Ignaz Moscheles‘ Alexandervariationen spielte. Und er begann zu komponieren: Die Abegg-Variationen op. 1, die Papillons op. 2 und die Toccata für Klavier op. 7 wurden in Heidelberg begonnen.

Am 30. Juli 1830 schreibt Robert Schumann aus Heidelberg an seine Mutter: „In Leipzig hab’ ich unbekümmert um einen Lebensplan so hingelebt, ... hier hab’ ich mehr gearbeitet, aber dort und hier immer innig und inniger an der Kunst gehangen. – Jetzt stehe ich am Kreuzwege und erschrecke bei der Frage: Wohin? – Folg’ ich meinem Genius, so weist er mich zur Kunst, und ich glaube, zum rechten Weg.“

II
Ein Streifzug durch Heidelbergs Altstadt hätte zumindest an sechs Stationen mit Verweisen auf Robert Schumanns Studienjahr anzuhalten:

  1. Nach seiner Ankunft im Mai 1829 stieg Schumann zuerst im Badischen Hof ab, einem der damals großen Hotels, das sich über mehrere Häuser erstreckte (heute Hauptstraße 113, 113a, 115).

  2. Am Universitätsplatz steht die heute „Alte“ genannte Universität, damals das einzige zentrale Gebäude der Hochschule. Hier fand die Eintragung ins Matrikelbuch statt, und im Pandektensaal, der heutigen Alten Aula, hielt Thibaut seine Vorlesungen. Die Aula wurde zum Universitätsjubiläum 1886 im Stil des Historismus umgestaltet.

  3. Auf der Südseite des Universitätsplatzes ist die Neue Universität von 1931. Dort stand zuvor das 1828 errichtete Haus der Museumsgesellschaft, einer Vereinigung zur Förderung von Kultur und Geselligkeit des gehobenen Bürgertums. Schumann war hier oft zu Gast und trat auch selbst als Pianist öffentlich auf.

  4. Schumanns erste Adresse war bei Fuhrmann Panzer. Die Nähe zur Irrenanstalt und der Klang der katholischen Glocken störten ihn allerdings. Anstelle des damaligen Wohnhauses steht dort heute das ehemalige Amtsgericht und jetzige Romanische Seminar der Universität (Seminarstraße 3).

  5. Seine endgültige Wohnung fand Schumann im Oktober 1829 bei Kaufmann Ritzhaupt, dem Hotelier „Zu den drei Königen“ in der Hauptstraße. Schumann durfte unbegrenzt Klavier spielen und gab dem Sohn des Vermieters Unterricht. Bei den „Drei Königen“ waren früher schon Mozart, Goethe und Tieck abgestiegen. Heute weist die Tafel an der Fassade nur auf Robert Schumann hin (Hauptstraße 160).

  6. Im Haus des Juristen Anton Friedrich Justus Thibaut nahm Schumann oft an dem berühmten Singkreis teil, in dem im Geist der Romantik alte Musik entdeckt und geprobt wurde. Palästrina und Händel waren Thibauts bevorzugte Komponisten. Schumann verehrte Thibaut als Juristen wie als Musikliebhaber, ohne dessen Ablehnung der Gegenwartskunst zu teilen. Das Barockhaus wurde 1961 abgerissen. Im Neubau ist heute das Diakoniewissenschaftliche Seminar der Universität untergebracht (Karlstraße 16).


Literatur (Auswahl):
Joachim Draheim: Robert Schumann in Heidelberg, in Susanne Himmelheber, Barbara Böckmann (Hgg.): Musik in Heidelberg 1777–1885. Ausstellungskatalog, Heidelberg 1985, S. 144–180
Akio Mayeda: Schumann in Heidelberg. Eine Skizze über den Komponisten, ebd. S. 181–188
Jürgen von Esenwein, Michael Utz: Folg ich meinem Genius … Gedenktafeln berühmter Männer und Frauen in Heidelberg, Heidelberg 1998, S. 99–105

III
Heidelberg ist die ehemalige Residenzstadt der Kurfürsten und Pfalzgrafen bei Rhein, heute berühmt für die Schlossruine und die Universität. Heidelberg ist nach Mannheim und Ludwigshafen mit 145.000 Einwohner/inne/n die dritte Großstadt der Metropolregion Rhein-Neckar.

Heidelberg hat ein breit gefächertes Kulturleben. Das Philharmonische Orchester der Stadt tritt in den Opern der Städtischen Bühne und in eigenen Konzerten auf. Das Internationale Musikfestival Heidelberger Frühling strahlt jedes Jahr weit über Heidelberg hinaus. Die Städtische Musik- und Singschule ist eine der größten Einrichtungen ihrer Art in Baden-Württemberg.

Das Musikleben der Stadt wird darüber hinaus getragen von einer großen Zahl weiterer Orchester, Ensembles und Chöre, die teils professionell, teils als Laien unter professioneller Leitung auftreten. Zu nennen sind das Klangforum, die Gesellschaft der Musik- und Kunstfreunde, die Heidelberger Sinfoniker, der Bachchor Heidelberg, die Studentenkantorei, die Cappella Palatina und viele andere. Weitere Festivals sind „Enjoy Jazz“, „LINKS. Heidelberger Biennale für Neue Musik“, „Heidelberger Kirchenmusiktage“ und das Chansonfest „Schöner Lügen“.

An wissenschaftlichen Einrichtungen gibt es das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität und die Hochschule für Kirchenmusik.

Kontakt:
Kulturamt der Stadt Heidelberg
Haspelgasse 12
69117 Heidelberg

Dr. Andrea Edel
www.heidelberg.de

Tel: (06221) 58 - 33 00 0
Fax: (06221) 58 - 33 01 0
kulturamt@heidelberg.de

[Abb. 1] Blick aus der Dreikönigstraße (bis 1832 Judengasse) auf die Hauptstraße 160 (Foto: Stefan Hohenadl)
[Abb. 2] Das ehemalige Hotel „Zu den drei Königen“ (Foto: Stefan Hohenadl)
[Abb. 3] Die Schumann-Gedenktafel (Foto: Stefan Hohenadl)

(Textautor: Hans Martin Mumm)

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