William Sterndale Bennett (1816 – 1875)

William Sterndale Bennet

William Sterndale Bennet, Lithographie aus der Sammlung Manskopf, UB Frankfurt
http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2003/7902785/


William Sterndale Bennett wuchs bei seinen Großeltern in Cambridge auf, wo er seine erste musikalische Förderung erhielt. Ab 1824 wurde er Knabensänger im King’s College Chapel Choire, zwei Jahre später nahm er Instrumentalstudien in Geige und Klavier an der Royal Academy of Music auf, später auch in Komposition. Ab 1833 arbeitete Bennett als Organist an der St. Anne’s Chapel in Wandsworth. Zwischen 1836 und 1842 hielt er sich mehrere Male in Deutschland auf, wo er Bekanntschaft mit Mendelssohn machte und als Konzertpianist große Erfolge u.a. im Leipziger Gewandhaus feierte. In der Heimat war das musikalische Wirken Bennetts groß, u.a. durch die Gründung der Londoner Bach-Society im Jahre 1849. Sechs Jahre später wurde er Professor für Musik an der Universität Cambridge und im gleichen Jahr leitender Dirigent der Philharmonic Society. Ab 1866 schließlich war Bennett Direktor der Royal Acadamy of Music in London. 1870 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Oxford, ein Jahr später wurde er geadelt.
 
In den Tagebucheinträgen der Schumanns in den Jahren 1836 und 1837 finden sich einige Einträge über Besuche von Bennett. Clara schreibt in einem Tagebucheintrag vom 19.Januar 1837: „Schumann hat einen wunderschönen Aufsatz über Bennett geschrieben und zwar aus Wiederspruch gegen uns hat er gesagt, Bennett sey der genialste Künstler…“ (zit. nach Wolfgang Seibold, Familie Freunde, Zeitgenossen, 2008, S. 55). Robert Schumann verehrte seinen britischen Kollegen sehr, was die vielen Publikationen über Bennett in der NZfM bezeugen in denen er als Musikkritiker für Bennett als jungen Komponisten der romantischen Schule eintrat. Aber auch persönlich standen sie sich sehr nah, denn Schumann nahm Bennett zusammen mit Walter von Goethe im Mai 1837 mit zu seiner Familie nach Zwickau.

Ebenfalls 1837 bezeugten sich beide gegenseitig ihre Freundschaft durch Widmungen: Bennett widmete Schumann seine „Fantaisie pour le pianoforte“ op. 16, Schumann im Gegenzug sein Opus 13. Im Jahr 1842 hielt sich Bennett noch einige Tage in Leipzig auf, was ausgiebig gefeiert wurde. Anschließend gab es nur noch gelegentlich Briefkontakt und ein Besuch in England kam trotz Einladung zunächst nicht zustande. Die erste Konzertreise nach England, wo sie ihren ersten Auftritt am 14. April 1856 im Eröffnungskonzert der Londoner Orchestersaison der Philharmonischen Gesellschaft unter Sterndale Bennett mit Werken von Beethoven und Mendelssohn hatte, trat Clara Schumann erst wenige Monate vor Robert Schumanns Tod an, als der hoffnungslose Zustand ihres Mannes und die damit auch verbundenen finanziellen Nöte der Familie die Realisierung der gut bezahlten Englandreise forcierten.

(Philip Förster)