Städtischer Musikverein zu Düsseldorf e.V. gegr. 1818

Konzertchor der Landeshauptstadt Düsseldorf

Städtischer Musikverein zu Düsseldorf e.V.
Hd. Herrn Manfred Hill
Ehrenhof 1
40479 Düsseldorf

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Internet: http://www.musikverein-duesseldorf.de/

Keine vier Jahre lebte Robert Schumann in Düsseldorf, und dennoch zählen sie mit zu den wichtigsten seiner Biografie. Als Städtischen Musikdirektor hatte man ihn dorthin berufen. Es war das erste und zugleich auch das letzte Mal, dass Schumann ein öffentliches Amt bekleidete. Seine Verpflichtung als Musikdirektor bestand darin, die Chorvereinigung zu leiten und pro Jahr mit dem Städtischen Orchester zehn Konzerte und vier kirchenmusikalische Veranstaltungen in den beiden Hauptpfarrkirchen St. Maximilian und St. Lambertus durchzuführen. Dafür zahlte die Stadt ihm jährlich 700 Thaler, was durchaus als gutes Einkommen gelten kann.

Neben Leizpig und Berlin zählte Düsseldorf im 19. Jahrhundert mit zu den bedeutenderen Musikstädten Deutschlands. Dieser Ruf entstand hauptsächlich durch die 1818 begründete Tradition der Niederrheinischen Musikfeste, die jährlich zu Pfingsten im Wechsel zwischen Köln, Elberfeld, Aachen und Düsseldorf stattfanden. Zur Vorbereitung und Durchführung des ersten Musikfestes konstituierte sich Anfang des Jahres 1818 ein Verein von Musikliebhabern, dessen erster öffentlicher Auftritt am 10. Mai 1818 mit einer Aufführung von Joseph Haydns Oratorium Die Jahreszeiten unter der Leitung des Städtischen Musikdirektors Friedrich August Burgmüller stattfand. Dies gilt als Geburtstag des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf, der sich schon bald als Träger des öffentlichen Musiklebens in der Stadt erwies. Er vermochte nach einiger Zeit sämtliche musizierenden Liebhaber der Stadt zu binden, so dass schließlich kein weiterer gleichartiger Verein mehr existierte. Fortan bestritt der Städtische Musikverein nicht nur selbst Konzerte, sondern trat auch als Veranstalter von solchen auf.

Unter den ersten Düsseldorfer Musikdirektoren fanden sich namhafte Persönlichkeiten, deren Stellung in der Musikgeschichte schon zu ihrer Zeit höher anzusetzen war, als die musikalische Qualität des neu gegründeten Vereins. Offensichtlich stand bei deren Berufung der Wunsch nach Repräsentation im Vordergrund: Es wurde nach Prestigewert entschieden und nicht im Sinne einer Lösung innerer musikalischer Probleme, mit denen der Verein in den Anfangszeiten zu kämpfen hatte. So waren die Berufungen von Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann auf den Posten des Städtischen Musikdirektors weitblickende, durchaus ehrgeizige Entscheidungen, auch wenn sich beider Komponisten Amtszeit als nicht besonders glücklich erweisen sollte.

Während der gemischte Chor der Musikvereins ausschließlich aus Laien bestand, gehörten dem Orchester neben solchen musikbeflissenen Liebhabern einige wenige städtisch besoldete Berufsmusiker an. Die Blechbläser schließlich rekrutierten sich aus den Reihen der in Düsseldorf stationierten preußischen Militärmusiker, deren Besetzung häufig wechselte. Dies führte zu einer ungünstigen Fluktuation im Orchester. Darüber hinaus unterschieden sich die so entstehenden drei Gruppierungen in ihrem sozialen Status ebenso wie in musikalischer Kompetenz und Leistungsbereitschaft. Für die meisten der musizierenden Dilettanten stand bei ihrer Mitwirkung im Orchester der Aspekt des geselligen Freizeitvergnügens deutlich im Vordergrund. Neben den Problemen, die das divergierende Niveau der einzelnen Mitwirkenden unweigerlich erzeugte, kam auf diese Weise die erforderliche musikalische Ernsthaftigkeit insgesamt zu kurz. Nicht zuletzt boten die naturgemäß zwischen Berufsmusikern und Laien (die zum Großteil zu den Honoratioren der Stadt zählten) auftretenden Spannungen ein latentes Potential des Unmuts.

Ausgerechnet Schumann, mit seinem hohen Anspruch an Musikalität, Disziplin und Leistungswillen traf bei seiner Ankunft in Düsseldorf auf diese heterogene Zusammensetzung. Dies wohl ahnend, aber nicht in Gänze erkennend, zeigte er sich zunächst erfreut darüber, ähnlich wie in Dresden einer Chorvereinigung und – nun erstmals – einem „eigenen“ Orchester vorzustehen. In Hinblick auf beide Klangkörper konnte er komponieren, mit beiden eigene Werke erproben und schließlich auch uraufführen. Nicht zuletzt diesem Umstand verdanken wir, dass gut ein Drittel des gesamten schumannschen Oeuvres in Düsseldorf entstand, darunter einige der berühmtesten Werke.

Bei seiner Ankunft im September 1851 wurde der neue Musikdirektor begeistert empfangen. Während der ersten Monate lobte die Presse den hohen künstlerischen Rang seiner Aufführungen sowie die ausgezeichnete Gestaltung der Konzert-Programme. Schon bald aber entfachte genau dies eine heftige Debatte mit dem Verwaltungsausschuss des Musikvereins. Moniert wurde dabei nicht nur, dass Schumann viele „leichtere“ Bravour-Stücke aus dem bisher gewohnten und beim Publikum beliebten Repertoire gestrichen hatte und stattdessen (neben seinen eigenen) seinerzeit eher unbekannte und als schwierig empfundene Werke von Beethoven, Bach, Händel und Gluck sowie von den Zeitgenossen Mendelssohn, Gade und Hiller ins Programm nahm, sondern insbesondere die Tatsache, dass er sich für die den Inhalt der Konzerte betreffenden Entscheidungen allein verantwortlich sah. Zwar hatte wohl auch sein Vorgänger Ferdinand Hiller während seiner Amtszeit Versuche unternommen, das eingefahrene Muster aufzubrechen, aber wohl ohne die Konsequenz, mit der Schumann nun vorging.

Ein weiteres Problem entstand dadurch, dass die Sänger gewöhnt waren, während der Proben vom Klavier aus dirigiert zu werden. Die von Schumann verwendete, tatsächlich damals noch wenig verbreitete Methode des Dirigierens vom Pult aus, bereitete den Chormitgliedern enorme Schwierigkeiten. Clara Schumann ging schließlich mit zu den Proben und übernahm den Klavierpart. Zusätzlich, um die Schweigsamkeit bzw. schlechte Verständlichkeit ihres Mannes auszugleichen, versuchte sie sogar, dessen Interpretations- und Korrekturanweisungen den Musikern zu vermitteln. Dennoch war keine Verständigung zu erzielen, was nicht zuletzt an einer grundsätzlichen Problematik lag, über die Schumann durch seine Amtsvorgänger Mendelssohn und Rietz durchaus informiert worden war. Dies ahnend, hätte er wohl von Anfang an gegenüber den beiden überwiegend aus Dilettanten, Militärmusikern und nur wenigen Berufsmusikern bestehenden Klangkörpern Chor und Orchester, behaftet mit der ihm so gar nicht vertrauten rheinischen Mentalität, wesentlich pointierter auftreten müssen. Stattdessen prallten in Anspruch, Vorstellungen, Mentalität und Verfahrensweise Divergenzen aufeinander, die sich mit der Zeit als unüberbrückbar erwiesen.

Offensichtlich fiel es allen Beteiligten schwer, Schumanns Verhalten einzuordnen. Der dem Gesellschaftsleben eher abgeneigte Schumann sah sich nun zum ersten (und gleichzeitig auch letzten) Mal in seinem Leben mit der Situation konfrontiert, als öffentliche Instanz zu wirken und auch zu gelten. Nur schlecht konnte er sich in diese ungewohnte Rolle einfinden, zumal sie seinem Charakter zutiefst widerstrebte. Bevor es zum endgültigen Bruch kam und Schumann im Herbst 1853 seine Tätigkeit niederlegte, war wegen der ständigen Querelen zwischen Musikdirektor und Chorverein durch dessen Direktion die Vereinbarung getroffen worden, dass Julius Tausch als Schumanns Stellvertreter sämtliche Chorproben leitete, während dem Musikdirektor selbst nur noch die Proben mit dem Orchester sowie das Dirigat der Aufführung oblagen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Ludwig Hammers erwirkte anschließend, dass dem erkrankten Musikdirektor noch für das Jahr 1854 das komplette Salär gezahlt wurde.

Nach der Ära Schumann begriff der Verwaltungsausschuss wohl, dass ein großer Name an der Spitze des Musikvereins nicht unbedingt gewisse Mängel im musikalischen Unterbau auszugleichen vermochte. Zwar wurden auch die in Schumanns Nachfolger Julius Tausch gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllt, zumindest aber entwickelte sich durch sein langjähriges Wirken eine Kontinuität. Entscheidend zum Positiven änderte sich die gesamte Situation erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wodurch der Städtische Musikverein schon bald internationales Renommee erlangte.

Irmgard Knechtges-Obrecht