Carl Friedberg (1872–1955)

Carl Friedberg studierte von 1883–1887 am Dr. Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt bei James Kwast und anschließend zwei Jahre lang bei Clara Schumann. Bereits mit 21 Jahren wurde er selbst als Klavierlehrer am Frankfurter Konservatorium angestellt, wo er bis 1904 unterrichtete. Von 1904 bis 1916 lehrte er in Köln und ging dann in die USA. In New York lehrte er am Institute of Musical Art, das später mit der Juilliard School of Music vereinigt wurde. Während seiner langen pädagogischen Laufbahn bildete er große Pianisten aus, unter ihnen Ernst Freudenthal, Ilse Fromm und Yaltah Menuhin. Aber auch seine Konzertkarriere war äußerst erfolgreich.

Er musizierte gemeinsam mit Julius Stockhausen, Eugène Ysaye, Pablo de Sarasate und Fritz Kreisler. Carl Friedberg setzte die ausgezeichnete Technik, über die er verfügte, ausschließlich für musikalische Ziele und nicht als Selbstzweck ein. Für ihn waren das Belcanto, das Gesangsmäßige in der Interpretation und der ausdrucksvolle Klang von zentraler Bedeutung. 1953, im Alter von 81 Jahren, ließ sich Friedberg dazu überreden, einige Schumann-Werke, darunter die Symphonischen Etuden und die Fis-Dur-Romanze op. 28/2, aufzunehmen. Er war bekannt für ein extrem zartes Pianissimo, ein atemberaubendes Legato und einen sehr raffinierten Pedalgebrauch.

(J.M.N.)